3. April 2025
Die 1985 gegründete ISS ist mit über 800 Schülerinnen und Schüler aus mehr als 45 Ländern ein lebendiges Beispiel für gelebte Internationalität. Widergespiegelt wird diese kosmopolitische Ausrichtung durch die Architektur der Schule: Der Campus Degerloch bietet offene Räume und Flächen, die den interkulturellen Austausch und das gemeinschaftliche Lernen fördern. Die jüngst von a+r Architekten erweiterte Einrichtung unterstreicht das Engagement der Schule für ein zukunftsorientiertes Bildungsumfeld.
Der viergeschossige Neubau der International School of Stuttgart (ISS) ergänzt den Campus Degerloch als verbindendes Element zwischen den bestehenden Gebäuden, die 2001 und 2012 ebenfalls von a+r Architekten geplant und realisiert wurden. Während der südliche Gebäudeteil die bestehende Bauflucht aufnimmt, ist der nördliche Abschnitt terrassiert gestaltet und leicht zurückgesetzt: „Dies schafft auf der Ostseite einen einladenden, städtischen Vorplatz, während die Westseite durch Sport- und Pausenflächen ergänzt wird“, erklärt Johannes Weiß, leitender Architekt bei a+r. Die markante Außentreppe unterstreicht diese Gliederung optisch und verbindet die Ebenen. Gleichzeitig dient sie als zweiter Rettungsweg.
Um die Basis für den Entwurf und die Raumaufteilung des Erweiterungsbaus zu erarbeiten, suchten die Bauherrschaft und a+r Architekten im Vorfeld die Kooperation mit der Schulbauberaterin und Architektin Kirstin Bartels aus Hamburg. Sie berät öffentliche und private Bildungseinrichtungen bei der Entwicklung von integrierten räumlich-pädagogischen Konzepten im Rahmen der „Phase Null“.
In mehreren Workshops mit dem Lehrkörper, den Schülerinnen und Schülern und Schulvertretern wurde das Raumprogramm für die ISS aufgestellt. Kirstin Bartels betont: „Eine gelungene ‚Phase Null‘ ist die Basis für eine erfolgreiche Schulbauplanung und ihre qualitätsorientierte und nachhaltige Umsetzung.“
Der neue Eingangsbereich der Schule im Osten öffnet sich als städtischer Vorplatz zur Umgebung und schafft eine einladende Geste. Der Haupteingang führt direkt in das „neue Herz“ des Campus, das weitläufige Foyer – ein offener Begegnungsraum, der sich als Dreh- und Angelpunkt des Schullebens versteht. Vom Foyer aus gelangt man zu den öffentlichen Bereichen: Dem Black Box Theater, das als multifunktionaler Veranstaltungsraum für Theateraufführungen, Konzerte, Ausstellungen und Schulfeste dient, sowie zu den Kreativwerkstätten, Musik- und Proberäumen, einem Makerspace und dem Designcluster. Der hochmoderne IT-Team-Space unterstreicht den innovativen Charakter des Schulbaus. So entsteht ein zukunftsweisender Lern- und Lebensraum, der Funktionalität und Identität verbindet.
Eine breite Haupttreppe führt vom Foyer in das 1. Obergeschoss, wo die „Schulstraße“ als barrierefreie Haupterschließung die einzelnen Bauabschnitte miteinander verbindet. Über das Treppenhaus im Süden werden alle Clusterebenen zentral erschlossen. Die offenen Lerncluster fördern eine moderne Lehr- und Lernkultur. Jedes Cluster fasst zwei bis drei Klassenräume mit zugehörigen Differenzierungsräumen zu eigenständigen Lernateliers zusammen.
Im Zentrum dieser Ateliers befindet sich eine offene Multifunktionsfläche mit direktem Blick ins Freie, die als Herzstück des Clusters fungiert. Nischen, sogenannte "Arenen" und "Cosy Corner", bieten den Schülerinnen und Schülern vielfältige Rückzugs- und Kooperationsmöglichkeiten. „Diese Gestaltung unterscheidet sich von herkömmlichen Schulgrundrissen und fördert im Sinne des pädagogischen Konzepts der ‚Lernlandschaft‘ eine offene Raumstruktur, die vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bietet und individuelles und kooperatives Lernen unterstützt“, erklärt Johannes Weiß. Der direkte Zugang von jedem Cluster zu den vorgelagerten Terrassen verstärkt diesen Effekt, da der Lernraum um zusätzliche Aufenthaltsqualitäten erweitert wird.
Die gesamte Architektur des Neubaus ist vom Gedanken der Weite geprägt. Transparenz, Offenheit und Sichtbezüge schaffen eine inspirierende Lernumgebung. Die offene Architektur unterstreicht die Werte der ISS, die für eine Bildung steht, die kulturelle Vielfalt wertschätzt und Grenzen überwindet. Sie setzt auf Flexibilität und Vernetzung, wobei offene Lerncluster und großzügige Freiflächen eine enge Verbindung zwischen Innen- und Außenräumen schaffen. „Diese Gestaltung fördert eine innovative Lernkultur und eine dynamische, zeitgemäße Lernumgebung, die den Blick über den Tellerrand ermöglicht und in jedem Raum spürbar ist“, fasst Architekt Johannes Weiß zusammen.
Projekt: Erweiterung Internationale Schule Stuttgart, 4. Bauabschnitt
Bauherrschaft: International School of Stuttgart e.V.
Architektur: a+r Architekten, Stuttgart/Tübingen, www.aplusr.de
Bauzeit: 02.2022 – 05.2024
Fertigstellung: Mai 2024
BGF: 8.059 m²
BRI: 30.280 m³
Energiestandard: KfW55
Fotos: Max Leitner
Stuttgart, im April 2025
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