Bis zur Sanierung war das Gebäude trotz einzelner Umbauten im Wesentlichen noch im bauzeitlichen Zustand. Der Brandschutz musste dringend verbessert, ein zweiter Fluchtweg geschaffen und die energetische Qualität des Hauses grundlegend erneuert werden. Gleichzeitig war klar, dass der Wert des Vorhandenen gerade in der ursprünglichen architektonischen Haltung des Gebäudes lag. Die Grundrissstruktur wurde von a+r Architekten deswegen weitgehend erhalten, ebenso der großzügige Erschließungsbereich mit seiner zentralen Treppenanlage. Auch die großen Klassenzimmer blieben und wurden nur dort angepasst, wo es der Schulalltag heute verlangt.
Ergänzt wurde der Bestand nur an den Stellen, an denen neue Anforderungen es notwendig machten. An der eingerückten Nordecke entstand ein zweites Treppenhaus mit Aufzug, das den erforderlichen zweiten Rettungsweg sichert, die barrierefreie Erschließung ermöglicht und zugleich den bisher nur von außen zugänglichen Werkraum an das Gebäude anbindet. Die neue Lüftungszentrale haben a+r Architekten an der schmalen Westseite angedockt. So lassen sich die Unterrichts- und Sanitärräume zentral be- und entlüften, ohne mit zusätzlichen Schächten und Durchbrüchen unnötig tief in den Bestand einzugreifen. Beide Ergänzungen sind über ihre Fassadenbekleidung bewusst als neue Bauteile ablesbar, fügen sich jedoch so zurückhaltend in das Ensemble ein, dass der ursprüngliche Charakter des Hauses gewahrt bleibt.
„Umnutzungen und Revitalisierungen beschäftigen uns schon heute sehr intensiv – und ihre Bedeutung wird in den kommenden Jahren noch weiterwachsen“, sagt Walter Fritz. „Dafür muss man bereit sein, sich auf ein Bestandsgebäude wirklich einzulassen: räumlich, konstruktiv und im Hinblick auf die Nutzung.“